„Das Bewusstsein ist gestiegen für die Belange junger Menschen und dass es doch recht wichtig ist junge Menschen zu beteiligen… Das ist der erste Schritt!“

3 Jahre Landeszentrum Jugend + Kommune! Was hat sich getan? Über Erfolge, Themen und Notwendigkeiten einer Sachsen-Anhalt-weit agierenden Beratungs- und Servicestelle für kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung spricht Projektkoordinatorin Isabel Peters mit Alexander Klos vom MDR Sachsen-Anhalt in der neuesten Folge des KinderStärken-Podcasts. Ab heute hier reinhören und überall wo’s Podcasts gibt!

Für alle, die die Beteiligung junger Menschen auch in ihrer Kommune stärken wollen, stehen wir gerne unter diesem Kontakt beratend zur Seite. Bis zu 21.400 € können dieses Jahr wieder für Kinder- und Jugendbeteiligung in Ihrer Kommune beantragt werden. Hier gelangen Sie zur Ausschreibung.

 

 

 

 

 

 

In Deutschlandfunk Kultur gab Prof. Dr. Michael Klundt, Professor für Kinderpolitik an der Hochschule Magdeburg –Stendal ein Interview zur Beteiligung von jungen Menschen. Neben der großen Frage, was ändert sich für junge Menschen, wenn die Kinderrechte im Grundgesetz stehen, ging er der Frage nach wie Kinder- und Jugendbeteiligung aussehen sollte, dass sie den Forderungen der UN-Kinderrechtskonvention entsprechen.  „Gibt es überhaupt ein Politikfeld, welches nicht Kinder und Kinderinteressen tangiert? Und da kann man ganz schön lange drüber nachdenken, ob man so ohne weiteres Sagen kann, ja, das und das hat nichts mit Kindern zu tun, selbst bei Rentenrecht kann man mit guten Gründen sprechen, dass es auch Kinder betrifft.“  

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben einen immer größeren Bedarf sich zu beteiligen. Als Beispiel geht Prof. Dr. Klundt dabei auf die Arbeit von KinderStärken e.V. in Sachsen-Anhalt ein.
„Und dafür braucht es Unterstützung. In Sachsen-Anhalt wird dies durch das An-Institut der Hochschule Magdeburg-Stendal KinderStärken e.V. sehr stark vorangetrieben, dass sich Kinder und Jugendliche gegenüber dem Kommunalparlament auch äußern können zu ihren jeweiligen Interessen und geschaut wird, was wird daraus gemacht.“ „Gleichzeitig wird auch geschaut, können wir auch die jungen Menschen, die außerhalb der Städte leben und die in der Provinz leben oder diejenigen, die behindert sind oder leiser sind oder in Wohnheimen leben, können wir sie mit ansprechen und mit ihnen gemeinsam die Frage bearbeiten, was soll wie gestaltet werden.“

In der Arbeit von KinderStärken e.V. ist dies ein entscheidender Ansatz, auf junge Menschen zu zu gehen und sie als Expert*innen ihres Lebens zu sehen.  „Wir können Kindern und Jugendlichen vertrauen und sie selbst fragen“ Das ganze Interview kann hier nachgehört werden.

„Die grundsätzlich wichtigste Unterstützung war natürlich der Aufruf, sich am Modellprojekt zu beteiligen, also eine Projektidee zu entwickeln, sich zu bewerben. Das war für uns die Initialzündung für die Arbeit.“ So formulierte es rückblickend ein Mitarbeiter aus der ersten Runde der Pilotkommunen des Landeszentrums Jugend + Kommune 2018.

Wünscht sich auch Ihre Kommune eine solche Initialzündung, um die Beteiligung von jungen Menschen nach § 80 KVG LSA zu starten, zu stärken oder zu verstetigen? Möchten Sie jungen Menschen mehr Mitsprache in der Kommune ermöglichen und sie frühzeitig in Planungsprozesse einbeziehen?

Das Landeszentrum Jugend + Kommune schreibt erneut fünf Pilotkommunen aus, die bei diesen Aufgaben sowohl finanziell (bis zu 21.400 Euro) als auch fachlich unterstützt werden.

Bewerben dürfen sich Landkreise, kreisfreie Städte, Gemeinden sowie Einheits- und Verbandsgemeinden aus Sachsen-Anhalt, die ihre kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung (weiter) entwickeln wollen. Dabei können neue Beteiligungsmethoden, Beteiligungsformate oder Kommunikationswege zwischen jungen Menschen und der Kommune erprobt werden- mit dem Ziel, junge Menschen langfristig kommunal zu beteiligen.

Das Landeszentrum Jugend + Kommune steht den Pilotkommunen während des gesamten Prozesses beratend und unterstützend zur Seite. Der Förderzeitraum beträgt 9 Monate: vom 15.04.2022 bis zum 31.12.2022.

Interesse geweckt? Den Antrag mit den Bewerbungsunterlagen finden Sie hier. Die Bewerbungsfrist endet am 28.02.2022.

Fragen? Das Landeszentrum lädt Sie am 26.01.22 um 13:00 Uhr zu einer digitalen Beratung ein. Darin beantworten wir Ihre Fragen zu Projektideen und Antragsbedingungen und stellen ehemalige Pilotkommunen vor. Bitte melden Sie sich zur digitalen Beratung an, um den Zugangslink zu erhalten. Was alles als Pilotkommune möglich ist, finden Sie in unserer Galerie der Jugendbeteiligung in Sachsen-Anhalt.

Am Samstag, 4. Dezember 2021, fand eine Schulung zur „Einführung in die Verwaltungsstruktur“ für junge Menschen statt. Sie wandte sich an Engagierte aus Jugendparlamenten oder Jugendgremien. Die Teilnehmenden bekamen Wissen vermittelt, wie Verwaltungen funktionieren, welche Aufgaben sie haben und wie ihre oftmals komplizierte Sprache zu verstehen ist. Themenschwerpunkte waren der Staatsaufbau, Organisationslehre, Verwaltungssprache und ein Überblick über die Kommune.

Die jungen Menschen lernten dabei beispielsweise, dass Verwaltungssprache eigentlich gar nicht so schwer sein muss, sondern dass Verwaltungen auch eine leichte Sprache nutzen könnten.

Das Landeszentrum bedankt sich bei der Sächsischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie und besonders bei Herrn Unger für den lehrreichen Tag. Der Dank geht auch an die Teilnehmenden für ihre Mitarbeit, verbunden mit der Hoffnung, dass alle gewinnbringende Infos mitnehmen konnten.

Am 5. November 2011 fasste die Mitgliederversammlung des Kinder- und Jugendringes Sachsen-Anhalt den Beschluss, sich für eine Eigenständige Jugendpolitik im Land stark zu machen. Der Landtag griff diese zentrale Forderung auf und beschloss am 13. Dezember 2012 die „Weiterentwicklung des jugendpolitischen Programms“. Zwei Legislaturperioden später, im Januar 2021, ist das gemeinsam mit Jugendlichen erarbeitete Papier in der Welt. „10 Jahre Eigenständige Jugendarbeit in Sachsen-Anhalt“ waren am 13. Oktober 2021 der Anlass, über Erreichtes und Perspektiven zu sprechen. Über 60 Akteurinnen und Akteure aus der Jugendarbeit bei freien Trägern, in Kommunen, in Politik und Verwaltung kamen in Magdeburg zusammen.

 „Keine Entscheidung mehr zu Lasten der jungen Generation. Keine Entscheidung, die junge Menschen betrifft, ohne eine Rückkopplung mit der jungen Generation. Keine Sonntagsreden, kein Brimborium – sondern eine konkrete Beteiligung.“ In einem starken Grußwort verdeutlichte der Kinder- und Jugendbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Holger Paech, dass es auf dem eingeschlagenen Weg kein Zurück mehr gibt. Egal ob Schulstandort, ÖPNV mit Bus und Bahn, Radwegenetz, neues Wohngebiet oder Wirtschaftsansiedelungen – der Blickwinkel von Kindern und Jugendlichen sei in jedem Fall Gold wert für eine in die Zukunft gerichtete Kommunalpolitik. Das betreffe nicht nur „ambitionierte Fachpolitik in einem Ressort“. Alle Ministerien müssten sich auf den Weg machen und ihre Vorhaben mit jungen Menschen entwickeln.

Partnerschaft zwischen Politik und Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt

Der Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt („Jugend macht Zukunft“) und der Verein KinderStärken e.V. (Landeszentrum Jugend + Kommune) hatten zu einem länderübergreifenden Austausch in die „Villa Böckelmann“ nach Magdeburg eingeladen. Unter den Teilnehmenden waren auch Gäste aus Thüringen und Brandenburg. Heidi Schulze von jugendgerecht.de, die aus Bundesperspektive auf das Tagungsthema schaute, hob die Partnerschaft zwischen Politik und Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt als Besonderheit hervor. Seit 2014 bewährt sich „Jugend Macht Zukunft“ als Partizipationsprojekt des Kinder- und Jugendringes Sachsen-Anhalt e.V. in Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung als wirksames Werkzeug, um junge Menschen kontinuierlich zu beteiligen. Mit dem Landeszentrum Jugend + Kommune entstand 2017 auf Initiative und mit Förderung des Landes eine Kommunal- und Organisationsberatung für kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung.

Weitere Meilensteine zur Stärkung der Rechte junger Menschen in Sachsen-Anhalt sind Änderungen der Kommunalverfassung aus dem Jahr 2018. Im Paragrafen 80 ist die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen „bei Planungen und Vorhaben, die deren spezifische Interessen berühren“, festgelegt worden. Außerdem können Einwohneranträge bereits ab 14 Jahren gestellt werden (§ 25). „Jugendbeteiligung in den Kommunen nimmt zu und gewinnt als Haltefaktor an Bedeutung. Aber die Frage nach dem Wie ist oft schwierig “, stellte Benjamin Ollendorf, Geschäftsführer von KinderStärken e.V., fest.

Programme und Gesetze in der Praxis mit Leben füllen

Die Herausforderung, so wurde während der Tagung immer wieder deutlich, ist es, gute Programme und Gesetze in der Praxis mit Leben zu erfüllen. Das bedeute u. a., regelmäßig und transparent im Kontakt mit jungen Menschen zu sein, sie zu ermächtigen, ihre Rechte wahrzunehmen, Freiräume zu schaffen, Beteiligung als Querschnittsaufgabe zu verankern sowie breit aufzustellen und vor allem die nötigen Ressourcen dafür zu haben. Die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit und die Arbeit der Jugendverbände „brauchen dringend auf Dauer angelegt spürbar mehr Geld“, sagte Holger Paech.

Wie weit die Schere in Sachsen-Anhalt bei den Ressourcen und beim Verständnis von Jugendpolitik in Verwaltungen auseinanderklafft, trat u. a. bei einem Austausch über praktische Erfahrungen in den Kommunen zutage. Während Dana Melzer vom Familieninformationsbüro der Stadt Magdeburg über die positive Entwicklung des Beteiligungskonzeptes mit Kindern und Jugendlichen in der Landeshauptstadt sprach, schilderte Sozialarbeiterin Sabine Unze aus Barleben, wie sie allein auf weiter Flur für 1400 Jugendliche kämpft. Gute Ideen ließen sich aus Personalmangel nicht umsetzen und durch die Corona-Pandemie „fangen wir wieder bei null an“.

Die Pandemie zeigte auch, wie fragil die Errungenschaften sind. „Die Jugendbeteiligung kam zum Erliegen – wie vieles andere“, so Benjamin Ollendorf. „Aber auch in Krisenzeiten dürfen die Interessen junger Menschen nicht zu kurz kommen.“

Das Landeszentrum Jugend + Kommune hat 13 neue Beteiligungsmoderatorinnen und -moderatoren für Kinder- und Jugendbeteiligung in Sachsen-Anhalt ausgebildet. Beruflich sind sie in Kommunalverwaltungen, bei freien Trägern und in der Jugendarbeit tätig und wirken in den Landkreisen Stendal, Saalekreis, Jerichower Land, Anhalt-Bitterfeld, Harz, Altmarkkreis Salzwedel sowie in Magdeburg und Halle/Saale. Am 22. September bekamen die Qualifizierten in der Landeshauptstadt ihre Zertifikate überreicht.

Dort fand in der Hochschule Magdeburg-Stendal das dritte und letzte Modul der Qualifizierungsreihe „Beteiligung + Moderation 2021“ statt, die seit Mai dieses Jahres läuft. Nach zwei digitalen Blöcken aufgrund der Pandemie-Lage war erstmals ein Präsenztreffen möglich. Unter dem Motto „Theorie-Praxis-Transfer“ stand drei Tage lang die kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung im Mittelpunkt: Methoden, Knackpunkte und Nachhaltigkeit. In Workshops, Gruppenarbeit und Rollenspielen wurden Informationen vermittelt, Fragen besprochen und Erfahrungen ausgetauscht. Bei einem World Café kamen die Teilnehmenden mit Anna Stein von der Partnerschaft für Demokratie Altmarkkreis Salzwedel und der Kinderbeauftragten der Landeshauptstadt Magdeburg, Kathrin Thäger, ins Gespräch.

Eine Gruppenarbeit schloss am letzten Tag den Kreis zu den ersten beiden Abschnitten der Qualifizierung. Dabei konnten die zuvor gelernten Aspekte in einer zufällig gewählten Situation von Kinder- und Jugendbeteiligung angewendet werden. Zum Abschluss kamen beim Alumni-Treffen die neuen mit bereits aktiven Beteiligungsmoderator*innen zusammen. Sie tauschten sich u. a. über Jugendgremien und die Erfahrungen in Pilotkommunen aus.

Seit 2018 wurden vom Landeszentrum Jugend+Kommune in vier Durchläufen insgesamt 47 Beteiligungsmoderator*innen ausgebildet. In einem Netzwerk zum Austausch sowie durch Formate wie den Runden Tisch kommunaler Kinder- und Jugendbeteiligung und das Partizipationscafé haben sie die Möglichkeit, miteinander und mit dem Landeszentrum in Kontakt zu bleiben.

Die nächste Qualifizierungsreihe „Beteiligung + Moderation“ ist für 2022 geplant. Genaueres wird Anfang des kommenden Jahres bekanntgegeben.