Wie sieht eine Stadt aus, in der junge Menschen wirklich mitreden? In Halle (Saale) soll diese Frage ab 2026 ganz praktisch beantwortet werden. Das Landeszentrum Jugend + Kommune hat das Pilotvorhaben der Stadt bewilligt, mit dem Kinder und Jugendliche künftig stärker in kommunale Entscheidungen eingebunden werden.

Unter dem Titel „Stärkung der Beteiligungsstrukturen mit jungen Menschen in Halle (Saale) durch Jugenddialoge im Quartier“ werden in allen fünf Stadtteilen offene Jugenddialoge durchgeführt. Geplant sind zum Beispiel Workshops in Schulen, mobile Beteiligungsaktionen auf Plätzen oder Gesprächsrunden in Jugendclubs. Dort können junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren sagen, was sie in ihrem Viertel brauchen, etwa bessere Freizeitangebote, sichere Wege, Treffpunkte oder mehr Mitspracherechte.

Besonders wichtig, die Ideen sollen nicht in Schubladen verschwinden. Die Ergebnisse fließen direkt in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) der Stadt ein und werden damit Teil der langfristigen Stadtplanung.

Damit Beteiligung nicht vom Engagement Einzelner abhängt, baut die Stadt parallel feste Strukturen auf. Mindestens fünf Mitarbeitende der Verwaltung werden zu Beteiligungsmoderator:innen qualifiziert. Sie lernen, wie man Jugenddialoge plant, moderiert und die Ergebnisse in politische Prozesse überführt.

Auch bestehende Gremien werden gestärkt. Der Kinder- und Jugendrat sowie der Stadtschülerrat werden aktiv in die Umsetzung eingebunden und enger mit Schulen und weiteren Akteuren vernetzt.

Ein zentrales Element ist die Rückmeldung an die Jugendlichen. Was wurde aus ihren Vorschlägen? Was wird umgesetzt, was nicht und warum? Dafür entwickelt die Stadt ein transparentes Rückkopplungssystem. So soll Beteiligung nicht nur gehört, sondern als wirksam erlebt werden.

Die Einheitsgemeinde Wanzleben-Börde setzt ein starkes Zeichen für Jugendbeteiligung: Mit Unterstützung des Landeszentrums Jugend + Kommune startet die Kommune ein Pilotprojekt zur Entwicklung eines Jugendstadtrates. Das Vorhaben wird im Rahmen des Landesprogramms „Junge Ideen für starke Kommunen“ mit bis zu 21.400 Euro gefördert.

Ziel des Projekts ist es, Kindern und Jugendlichen eine verlässliche und wirksame Möglichkeit der Mitsprache in kommunalen Entscheidungsprozessen, durch einen Kinder- und Jugendstadtrat zu eröffnen. Der geplante Jugendstadtrat soll junge Menschen frühzeitig in kommunale Vorhaben einbinden, ihre Perspektiven sichtbar machen und sie dazu befähigen, eigene Ideen und Anliegen aktiv in politische Prozesse einzubringen.

Die Fördermittel unterstützen insbesondere den Aufbau tragfähiger Beteiligungsstrukturen, die begleitende Öffentlichkeitsarbeit sowie die Erprobung geeigneter Beteiligungsformate wie Zukunftswerkstätten. Jugendbeteiligung soll damit langfristig als fester Bestandteil kommunalen Handelns etabliert werden.

Aktuell finden erste Informations- und Kick-off-Veranstaltungen statt, um Jugendliche frühzeitig über das neue Beteiligungsformat zu informieren und für die Mitarbeit zu gewinnen.

Weitere Informationen sind hier zu finden.

 

Wie können Kinder und Jugendliche stärker in kommunale Entscheidungen eingebunden werden? Die Hansestadt Osterburg (Altmark) geht diese Frage aktiv an und hat Anfang Dezember eine wichtige Förderzusage erhalten: Ab 2026 wird Osterburg Pilotkommune für Kinder- und Jugendbeteiligung.

Bereits seit 2021 arbeitet die Stadt daran, jungen Menschen mehr Mitspracherechte zu ermöglichen. Dazu gehören unter anderem eine Befragung junger Menschen, die Erarbeitung eines Strategiepapiers zur Beteiligung, verschiedene Projekte mit Kindern und Jugendlichen sowie die Einführung einer Kinder- und Jugendbeauftragten. Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig und verbindlich in kommunale Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Mit dem neuen Pilotprojekt soll diese Arbeit weiter vertieft werden. Entwickelt werden soll ein flexibles Beteiligungsmodell, das Jugendlichen niedrigschwellige Möglichkeiten bietet, ihre Ideen, Wünsche und Themen einzubringen. Gleichzeitig sollen Verwaltung und Politik regelmäßig Rückmeldungen aus der jungen Generation erhalten, um den Austausch nachhaltig zu stärken.

Der Start des Pilotprojekts ist für eine Jugendkonferenz geplant. Dort sammeln Jugendliche aus der Einheitsgemeinde zentrale Themen und Anliegen. Interessierte Teilnehmende können anschließend an einer Schulung teilnehmen, in der sie lernen, die Perspektiven anderer junger Menschen aufzunehmen und weiterzugeben. In einer anschließenden Projektphase erproben sie das Gelernte in der Praxis und sammeln Rückmeldungen – begleitet von der Kinder- und Jugendbeauftragten. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Treffen von Jugendlichen, Verwaltung und Politik, bei dem die Ergebnisse ausgewertet und nächste Schritte zur Weiterentwicklung der Beteiligung besprochen werden.

Regelmäßige Informationen erhält man über den Instagramkanal der Kinder- und Jugendbeauftragten der Hansestadt Osterburg: kijube_hansestadt_osterburg

In der Gemeinde Droyßig entsteht ab 2026 erstmals eine feste Struktur für Kinder- und Jugendbeteiligung. Das Landeszentrum Jugend + Kommune hat das Pilotvorhaben bewilligt und setzt damit ein klares Zeichen für Mitbestimmung im ländlichen Raum.

Mit rund 1.000 Schüler:innen an vier Schulen ist Droyßig ein wichtiger Bildungsstandort, bislang jedoch ohne verbindliche Möglichkeiten für junge Menschen, ihre Interessen in die Kommunalpolitik einzubringen. Das soll sich jetzt ändern.

Kern des Projekts ist die Gründung eines Kinder- und Jugendbeirats mit neun Mitgliedern im Alter von 8 bis 19 Jahren. Der Beirat wird regelmäßig tagen, Anliegen sammeln und direkt mit Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat diskutieren, zum Beispiel zu Freizeitangeboten, Mobilität oder Umweltprojekten.

Unterstützt wird der Beirat durch eine feste Ansprechperson in der Verwaltung, die speziell für Jugendbeteiligung qualifiziert wird. Pädagogische Fachkräfte begleiten die jungen Mitglieder dabei, Sitzungen vorzubereiten, Projekte zu planen und ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten.

Neben der Gremienarbeit entstehen konkrete Mitmachprojekte. Der Jugendclub wird gemeinsam neu gestaltet, mit kreativen Angeboten, nachhaltigen Aktionen und Raum für eigene Ideen. Außerdem entwickeln die Jugendlichen digitale und analoge Wanderwege, inklusive Routen, Infos und interaktiver Elemente.

Bereits 2025 wurde der Kinder- und Jugendbeirat per Gemeinderatsbeschluss in der Ortssatzung verankert. Damit ist gesichert, die Stimme junger Menschen bleibt auch nach dem Förderzeitraum fester Teil der Gemeinde.

Die Gemeinde Niedere Börde startet 2026 mit Unterstützung des Landeszentrums Jugend + Kommune in einen umfassenden Beteiligungsprozess zur Stärkung der Kinder- und Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene. Ziel ist die Entwicklung eines ganzheitlichen kommunalen Kinder- und Jugendbeteiligungskonzeptes, das Beteiligung dauerhaft, strukturiert und wirksam in der Gemeinde verankert.

Für die kommenden Monaten sind mehrere aufeinander aufbauende Maßnahmen geplant. Dazu gehören Workshops mit Fachkräften, Multiplikator:innen sowie Vertreter:innen aus Verwaltung, Politik, Schulen, Vereinen, Jugend- und Sozialarbeit, bei denen gemeinsam erarbeitet wird, in welchen kommunalen Bereichen Kinder- und Jugendbeteiligung künftig systematisch mitgedacht werden soll.

Für Anfang Mai ist zudem eine große Kinder- und Jugendkonferenz vorgesehen. In einem ganztägigen Workshop-Format sollen Kinder und Jugendliche ihre bisherigen Beteiligungserfahrungen, Wünsche und Ideen einbringen. Die Ergebnisse werden anschließend mit den Perspektiven erwachsener Akteur:innen zusammengeführt. In einem weiteren Schritt sollen daraus konkrete Beteiligungsformate und Berührungspunkte innerhalb der Kommune entwickelt werden.

Ein weiterer zentraler Baustein sind Pilotprojekte, in denen Beteiligungsformen praktisch erprobt werden. Geplant sind unter anderem die Projekte „Jugend und Ortschaftsrat“ sowie „Ortschronist und Jugend“, die neue Zugänge zur kommunalpolitischen Mitwirkung eröffnen sollen. Dabei stehen der direkte Austausch zwischen jungen Menschen und kommunalen Gremien sowie das generationsübergreifende Lernen im Mittelpunkt.

Der gesamte Prozess ist ergebnisoffen angelegt: Ob ein Kinder- und Jugendparlament, projektbezogene Beteiligungsformate oder andere Formen der Mitbestimmung entstehen, wird gemeinsam mit den jungen Menschen entschieden.

Das Vorhaben wird im Rahmen eines landesweiten Pilotprogramms durch das Land Sachsen-Anhalt mit 21.000 Euro gefördert. Aus insgesamt 13 Bewerbungen wurden fünf Kommunen ausgewählt – darunter die Niedere Börde.

Mit dem Projekt leistet die Niedere Börde einen wichtigen Beitrag zur Stärkung demokratischer Teilhabe junger Menschen auf kommunaler Ebene.

Die Gemeinde Niedere Börde berichtet hier regelmäßig über das Vorhaben.

Viele Kommunen wollen die Beteiligung junger Menschen stärken, schaffen es aber bislang nicht, ihre Öffentlichkeitsarbeit durchgehend jugendgerecht zu gestalten. Wie Jugendfreundlichkeit sichtbar wird und wie man Jugendliche dort erreicht, wo sie wirklich unterwegs sind, stand im Mittelpunkt des heutigen Workshops „Jugendgerechte Öffentlichkeitsarbeit – Wie Kommunen ihre Jugendfreundlichkeit sichtbar machen“, gestaltet von Philipp Schüller (Offener Kanal Merseburg), Isabel Mallqui Chacón (Freiwilligenagentur Saalekreis) und Lene (Die Kante).

Die Teilnehmenden entwickelten praxisnahe Ideen zu Formaten, Bildsprache und Kommunikationswegen. Beispiele aus der Region zeigten, dass erfolgreiche Jugendkommunikation weniger Budget als vielmehr Haltung braucht: Authentizität, Respekt und echtes Interesse.

Die Ergebnisse des Workshops machen deutlich, welche Faktoren wirklich entscheidend sind, um junge Menschen nachhaltig und überzeugend anzusprechen:

  • Kommunikation auf Augenhöhe: Jugendliche ernst nehmen, respektvoll ansprechen und nicht belehren. Das stärkt Vertrauen und macht Begegnungen positiv erinnerbar.
  • Authentisch statt aufgesetzt: Weder Amtsdeutsch noch Überlockerheit! Klare, ehrliche Sprache wirkt am besten.
  • Adultismus vermeiden: Kinder und Jugendliche nicht in ihren Meinungen oder Bedürfnissen übergehen, sondern aktiv einbeziehen und ernst nehmen.
  • Trends nutzen, aber sinnvoll: Neue Plattformen beobachten, ausprobieren und flexibel bleiben, ohne jedem Hype hinterherzulaufen.
  • Zuhören statt senden: Relevante Themen entstehen aus echter Aufmerksamkeit für die Lebenswelt der Jugendlichen.
  • Dort hingehen, wo Jugendliche sind: Aufsuchende Arbeit, analog und digital, bleibt entscheidend, um sichtbar und ansprechbar zu sein.
  • Verlässliche Beziehungspflege: Nur kontinuierliche, wiederkehrende Kommunikation baut langfristig Vertrauen auf.
  • Eltern im Blick behalten: Eine ergänzende Ansprache erhöht Reichweite und Verständnis.

Der Workshop zeigte: Jugendgerechte Öffentlichkeitsarbeit erfordert Mut zur Authentizität, echtes Zuhören und die Bereitschaft, Kommunikation gemeinsam mit jungen Menschen weiterzuentwickeln. Kommunen, die ihre Jugendfreundlichkeit sichtbar machen möchten, investieren damit nicht nur in gute Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch in eine stärkere, aktivere Rolle junger Menschen im kommunalen Leben.