Am vergangenen Samstag waren die Servicestelle Jugend und Strukturwandel gemeinsam mit dem Landeszentrum Jugend + Kommune beim Sachsen-Anhalt-Tag in Bernburg zu Gast. Gemeinsam mit den Jugendgremien aus Bernburg, Köthen und dem Landkreis Börde begleiteten wir den Stand und nutzten die Gelegenheit, mit jungen Menschen über ihre Vorstellungen von Zukunft, Zusammenhalt und regionaler Entwicklung ins Gespräch zu kommen. 

Im Rahmen des Dialogangebots konnten die jungen Besucher:innen ihre Ideen und Anregungen an einem Zukunftsbaum festhalten. Die verschiedenen Bereiche des Baumes griffen zentrale Fragen zur Zukunft der Region auf und luden dazu ein, persönliche Sichtweisen und Wünsche einzubringen.  

Bei der Frage „Was macht deine Region heute stark?“, die im Bereich der Wurzeln verortet war, wurden insbesondere die Menschen, der gesellschaftliche Zusammenhalt, die Vereine, Fahrgemeinschaften sowie die vorhandene Vielfalt genannt. Diese Antworten verdeutlichen, welche Stärken bereits heute das Leben vor Ort prägen und die Grundlage für eine positive Entwicklung bilden. 

Im Stamm des Baumes stand die Frage „Was muss erhalten bleiben?“. Hier wurden vor allem Demokratie, Meinungsfreiheit, Toleranz und Vielfalt sowie die Möglichkeit, sich auf Veranstaltungen frei und sicher zu begegnen, hervorgehoben. Die Beiträge zeigen, welche Werte junge Menschen als unverzichtbar für das gesellschaftliche Miteinander ansehen. 

In der Baumkrone beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Frage „Was wünschst du dir für deine Zukunft?“. Genannt wurden unter anderem ein besser ausgebauter ÖPNV, mehr Bildungsangebote, eine stärkere Jugendbeteiligung, die Förderung des Handwerks sowie der Wunsch nach einer offenen und demokratischen Gesellschaft. Auch der Wunsch nach einer Politik ohne Extremismus fand sich unter den Antworten wieder. 

Die Einträge am Zukunftsbaum machten deutlich, dass junge Menschen nicht nur konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft haben, sondern sich auch intensiv mit den Themen auseinandersetzen, die für die Entwicklung ihrer Region wichtig sind. 

Besonders gefreut haben wir uns über die Gespräche und den Austausch mit engagierten jungen Menschen. Wir konnten viele wertvolle Impulse für die weitere Arbeit mitnehmen. 

Vom 01. bis 03. Juni 2026 fand an der Hochschule Magdeburg-Stendal das zweite Modul der Qualifizierungsreihe „Beteiligung + Moderation“ statt. Unter dem Fokus „Handeln als Beteiligungsmoderation“ vertieften die Teilnehmenden ihr Wissen über Zielgruppen, Methoden und Netzwerkarbeit.

Der Auftakt widmete sich der Frage „Wie ticken Jugendliche?“. Auf Basis der Sinus-Jugendstudie analysierten die Teilnehmenden verschiedene Lebenswelten, um eine zielgerichtete und inklusive Ansprache in ihren Kommunen sicherzustellen.

Anschließend stand die praktische Erprobung im Mittelpunkt. Ein vielfältiger Methoden-Mix, von digitalen Formaten wie Minecraft und Memes bis hin zu kreativen Ansätzen wie Photovoice, verdeutlichte, wie Beteiligung niederschwellig und lebensweltnah gestaltet werden kann. Begleitet wurde dies durch Impulse zur Auswertung von Beteiligungserhebungen. Zu Gast war dabei auch Tobias Thiel von der Evangelischen Akademie Wittenberg. Er berichtete von seiner praktischen Erfahrung mit digitalen Beteiligungsmöglichkeiten.

Den Abschluss bildete das Thema Netzwerkarbeit. Unter Anleitung von Alexander Wittwer (PfD Hansestadt und Landkreis Stendal) reflektierten die Teilnehmenden ihre eigenen Kooperationen. Mit der Methode des „Sozialen Nobelpreises in der Kategorie Zusammenarbeit“ wurden verschiedene Strategien entwickelt, um Beteiligungsprozesse durch starke lokale Netzwerke nachhaltig zu verankern.

Mit neuen Impulsen und praktischem Handwerkszeug wird nun auf das dritte Modul im September geblickt.

Wie können Kommunen die Bedarfe und Ideen junger Menschen frühzeitig sichtbar machen und sie in die Entwicklung ihres Gemeinwesens einbeziehen? Eine wirkungsvolle Methode dafür sind Kinder- und Jugendkonferenzen. In der Pilotkommune Gemeinde Nieder Börde wurde dieses Format am 18.04.26 erstmals erfolgreich umgesetzt: Rund 50 junge Menschen brachten ihre Sichtweisen, Wünsche und Ideen ein. Später am Nachmittag wurden diese mit Bürgermeister Herrn Müller, Gemeinderät:inne, und Ortsbürgermeistern diskutiert.

Im Mittelpunkt einer Kinder- und Jugendkonferenz steht die strukturierte Ideenentwicklung mit jungen Menschen. Zunächst geht es darum, Themen sichtbar zu machen, Bedarfe zu benennen und konkrete Vorschläge zu erarbeiten. Kinder und Jugendliche erhalten einen Raum, ihre Lebenswelt aus ihrer Perspektive zu beschreiben.

Die Konferenz in der Niederen Börde war in mehrere Arbeitsphasen gegliedert. In Kleingruppen starteten die Teilnehmenden mit einer ersten Phase des „Motzens und Meckerns“: Was läuft in ihrem Wohnort nicht gut? Was fehlt? Was stört im Alltag? Anschließend richtete sich der Blick nach vorn: Was wünschen sich junge Menschen für ihre Gemeinde? Welche Veränderungen würden ihren Alltag verbessern?

Dabei wurden zahlreiche Themen benannt, unter anderem fehlende Radwege, mangelnde Einkaufsmöglichkeiten, ein fehlender Eisladen, neue Treffpunkte für Jugendliche, eine Skateanlage, attraktivere Mülleimer sowie Ideen für mehr Kinder- und Jugendbeteiligung.

Nach der Vorstellung im Plenum, konnten sich die Kinder und Jugendlichen je nach Interesse einem Thema zuordnen und dieses weiterentwickeln. So entstanden konkrete Ideen aus Sicht der jungen Menschen praxisnah, kreativ und direkt aus ihrem Lebensalltag heraus.

Besonders bedeutsam war die anschließende Dialogphase: Bürgermeister, Ortsbürgermeister und Gemeinderät:innen nahmen an der Konferenz teil und hörten sich die Ergebnisse persönlich an. Dadurch entstand ein direkter Austausch zwischen jungen Menschen und kommunaler Politik.

Hier liegt die Stärke dieser Methode. Sie schaffen Begegnung, machen Bedarfe sichtbar und eröffnen Dialogräume. Junge Menschen erleben, dass ihre Perspektiven ernst genommen werden. Kommunale Verantwortungsträger erhalten zugleich wertvolle Hinweise darauf, was Kinder und Jugendliche vor Ort wirklich bewegt.

Die erfolgreiche Auftaktveranstaltung in der Niederen Börde bildet nun eine wichtige Grundlage für den nächsten Schritt, die Entwicklung eines Beteiligungskonzeptes für die Gemeinde.

Kinder- und Jugendkonferenzen zeigen: Wer junge Menschen frühzeitig einbindet, stärkt nicht nur demokratische Prozesse, sondern gestaltet Kommunen lebenswerter für alle Generationen.

Durchgeführt wurde die Kinder- und Jugendkonferenz in der Gemeinde Niedere Börde von Maik Peyko und seinem Team von TEMP-Projekt.

Wie sieht eine Stadt aus, in der junge Menschen wirklich mitreden? In Halle (Saale) soll diese Frage ab 2026 ganz praktisch beantwortet werden. Das Landeszentrum Jugend + Kommune hat das Pilotvorhaben der Stadt bewilligt, mit dem Kinder und Jugendliche künftig stärker in kommunale Entscheidungen eingebunden werden.

Unter dem Titel „Stärkung der Beteiligungsstrukturen mit jungen Menschen in Halle (Saale) durch Jugenddialoge im Quartier“ werden in allen fünf Stadtteilen offene Jugenddialoge durchgeführt. Geplant sind zum Beispiel Workshops in Schulen, mobile Beteiligungsaktionen auf Plätzen oder Gesprächsrunden in Jugendclubs. Dort können junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren sagen, was sie in ihrem Viertel brauchen, etwa bessere Freizeitangebote, sichere Wege, Treffpunkte oder mehr Mitspracherechte.

Besonders wichtig, die Ideen sollen nicht in Schubladen verschwinden. Die Ergebnisse fließen direkt in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) der Stadt ein und werden damit Teil der langfristigen Stadtplanung.

Damit Beteiligung nicht vom Engagement Einzelner abhängt, baut die Stadt parallel feste Strukturen auf. Mindestens fünf Mitarbeitende der Verwaltung werden zu Beteiligungsmoderator:innen qualifiziert. Sie lernen, wie man Jugenddialoge plant, moderiert und die Ergebnisse in politische Prozesse überführt.

Auch bestehende Gremien werden gestärkt. Der Kinder- und Jugendrat sowie der Stadtschülerrat werden aktiv in die Umsetzung eingebunden und enger mit Schulen und weiteren Akteuren vernetzt.

Ein zentrales Element ist die Rückmeldung an die Jugendlichen. Was wurde aus ihren Vorschlägen? Was wird umgesetzt, was nicht und warum? Dafür entwickelt die Stadt ein transparentes Rückkopplungssystem. So soll Beteiligung nicht nur gehört, sondern als wirksam erlebt werden.

Die Einheitsgemeinde Wanzleben-Börde setzt ein starkes Zeichen für Jugendbeteiligung: Mit Unterstützung des Landeszentrums Jugend + Kommune startet die Kommune ein Pilotprojekt zur Entwicklung eines Jugendstadtrates. Das Vorhaben wird im Rahmen des Landesprogramms „Junge Ideen für starke Kommunen“ mit bis zu 21.400 Euro gefördert.

Ziel des Projekts ist es, Kindern und Jugendlichen eine verlässliche und wirksame Möglichkeit der Mitsprache in kommunalen Entscheidungsprozessen, durch einen Kinder- und Jugendstadtrat zu eröffnen. Der geplante Jugendstadtrat soll junge Menschen frühzeitig in kommunale Vorhaben einbinden, ihre Perspektiven sichtbar machen und sie dazu befähigen, eigene Ideen und Anliegen aktiv in politische Prozesse einzubringen.

Die Fördermittel unterstützen insbesondere den Aufbau tragfähiger Beteiligungsstrukturen, die begleitende Öffentlichkeitsarbeit sowie die Erprobung geeigneter Beteiligungsformate wie Zukunftswerkstätten. Jugendbeteiligung soll damit langfristig als fester Bestandteil kommunalen Handelns etabliert werden.

Aktuell finden erste Informations- und Kick-off-Veranstaltungen statt, um Jugendliche frühzeitig über das neue Beteiligungsformat zu informieren und für die Mitarbeit zu gewinnen.

Weitere Informationen sind hier zu finden.

 

Wie können Kinder und Jugendliche stärker in kommunale Entscheidungen eingebunden werden? Die Hansestadt Osterburg (Altmark) geht diese Frage aktiv an und hat Anfang Dezember eine wichtige Förderzusage erhalten: Ab 2026 wird Osterburg Pilotkommune für Kinder- und Jugendbeteiligung.

Bereits seit 2021 arbeitet die Stadt daran, jungen Menschen mehr Mitspracherechte zu ermöglichen. Dazu gehören unter anderem eine Befragung junger Menschen, die Erarbeitung eines Strategiepapiers zur Beteiligung, verschiedene Projekte mit Kindern und Jugendlichen sowie die Einführung einer Kinder- und Jugendbeauftragten. Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig und verbindlich in kommunale Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Mit dem neuen Pilotprojekt soll diese Arbeit weiter vertieft werden. Entwickelt werden soll ein flexibles Beteiligungsmodell, das Jugendlichen niedrigschwellige Möglichkeiten bietet, ihre Ideen, Wünsche und Themen einzubringen. Gleichzeitig sollen Verwaltung und Politik regelmäßig Rückmeldungen aus der jungen Generation erhalten, um den Austausch nachhaltig zu stärken.

Der Start des Pilotprojekts ist für eine Jugendkonferenz geplant. Dort sammeln Jugendliche aus der Einheitsgemeinde zentrale Themen und Anliegen. Interessierte Teilnehmende können anschließend an einer Schulung teilnehmen, in der sie lernen, die Perspektiven anderer junger Menschen aufzunehmen und weiterzugeben. In einer anschließenden Projektphase erproben sie das Gelernte in der Praxis und sammeln Rückmeldungen – begleitet von der Kinder- und Jugendbeauftragten. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Treffen von Jugendlichen, Verwaltung und Politik, bei dem die Ergebnisse ausgewertet und nächste Schritte zur Weiterentwicklung der Beteiligung besprochen werden.

Regelmäßige Informationen erhält man über den Instagramkanal der Kinder- und Jugendbeauftragten der Hansestadt Osterburg: kijube_hansestadt_osterburg