Die Hansestadt Havelberg bereitet aktuell die erste Wahl ihres Jugendbeirates vor. Bereits der Weg dorthin zeigt, wie Kinder- und Jugendbeteiligung gelingen kann. Durch einen transparenten Prozess, die Einbindung aller relevanten Akteurinnen und Akteure und den gemeinsamen Willen, jungen Menschen dauerhaft eine Stimme in der Kommunalpolitik zu geben.
Ausgangspunkt war der Wunsch des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung, die Interessen junger Menschen stärker in kommunale Entscheidungen einzubeziehen. Grundlage hierfür bildet § 80 des Kommunalverfassungsgesetzes Sachsen-Anhalt, der Kommunen dazu auffordert, Kinder und Jugendliche bei sie betreffenden Planungen und Vorhaben angemessen zu beteiligen. Mit dem Beschluss des Stadtrates zur Gründung eines Jugendbeirates wurde dieser Weg offiziell eingeschlagen.
Gemeinsam statt hinter verschlossenen Türen
Von Beginn an setzte die Hansestadt Havelberg auf einen offenen Entwicklungsprozess. Im Sozialausschuss wurde das Vorhaben vorgestellt und anschließend alle Interessierten eingeladen, den Aufbau des Jugendbeirates in einer Arbeitsgruppe mitzugestalten.
Vertreten waren dabei unter anderem:
- Stadtverwaltung
- Stadträt:innen
- sachkundige Einwohner:innen
- Schulen und Lehrkräfte
- Fachkräfte der Jugendarbeit
In insgesamt vier Arbeitsgruppensitzungen wurden zunächst gemeinsame Ziele und Erwartungen entwickelt. Anschließend entstanden Schritt für Schritt die Inhalte der Satzung sowie verbindliche Abläufe für die zukünftige Beteiligung junger Menschen.
Junge Menschen wurden von Anfang an einbezogen
Parallel zur Arbeit der Arbeitsgruppe führte das Landeszentrum Jugend + Kommune eine Jugendbefragung durch. Jugendliche konnten sowohl digital als auch analog ihre Wünsche und Erwartungen äußern. Insgesamt beteiligten sich 61 junge Menschen. Besonders häufig nannten sie die Themen Freizeit, Verkehr, Veranstaltungen und Treffpunkte als Bereiche, in denen sie künftig mitreden möchten.
Die Ergebnisse wurden ausgewertet und flossen unmittelbar in die Entwicklung des Jugendbeirates ein. Dadurch orientiert sich die zukünftige Arbeit des Gremiums an den Interessen der Jugendlichen vor Ort.
Die Rolle des Landeszentrums
Das Landeszentrum Jugend + Kommune begleitete den gesamten Entwicklungsprozess fachlich. Dazu gehörten die Vorbereitung und Moderation der Arbeitsgruppensitzungen, die Einbringung von Erfahrungen aus anderen Kommunen Sachsen-Anhalts, die Konzeption und Auswertung der Jugendbefragung sowie die Entwicklung von Prozessketten für die Beteiligung junger Menschen. Die Ergebnisse wurden schließlich in einer Satzung zusammengeführt, die den rechtlichen Rahmen für den zukünftigen Jugendbeirat bildet.
Aktueller Stand
Inzwischen wurde die Satzung durch den Stadtrat beschlossen. Der Bürgermeister stellt den Jugendbeirat derzeit persönlich in den Schulen vor und wirbt für eine Kandidatur. Nach den Sommerferien soll die erste Wahl des Jugendbeirates stattfinden.
Was andere Kommunen aus Havelberg mitnehmen können
Der Aufbau eines Jugendgremiums ist weit mehr als die Erarbeitung einer Satzung. Entscheidend ist, alle relevanten Akteurinnen und Akteure frühzeitig einzubeziehen und den Prozess gemeinsam zu gestalten. Die Erfahrungen aus Havelberg zeigen, dass eine begleitende Arbeitsgruppe dafür ein geeignetes Format ist. Verwaltung, Politik, Schule, Jugendarbeit und weitere Beteiligte entwickeln ein gemeinsames Verständnis, übernehmen Verantwortung und schaffen so eine tragfähige Grundlage für die langfristige Arbeit des Jugendbeirates.
