Was braucht es, damit junge Menschen sich beteiligen? Wo tun sie das eigentlich schon? Und was würden sie verändern, wenn sie könnten? Diesen Fragen ging das Landeszentrum Jugend + Kommune gemeinsam mit jungen Menschen beim Fachtag zur Kinder- und Jugendbeteiligung des Landkreises Börde nach.
Am 30. September fand in der Kulturfabrik Haldensleben der Fachtag „Eure Rechte … Eure Stimme“ statt. Das Landeszentrum Jugend + Kommune war mit einem fachlichen Input zur kommunalen Kinder- und Jugendbeteiligung und dem Workshop „Dein Ort. Deine Idee. Deine Stimme.“ dabei.
Im Workshop ging es zunächst darum, Beteiligung nicht nur mit Jugendbeiräten oder anderen politischen Gremien zu verbinden. Die Jugendlichen sammelten, wo sie bereits mitreden, Verantwortung übernehmen oder ihre Interessen vertreten können. Dabei entstand eine ziemlich vielfältige Beteiligungslandkarte.
Genannt wurden Klassen-, Jahrgangs- und Schülersprecher:innen, Kreis- und Landesschülerrat, Jugendstadtrat und Jugendkreistag. Aber auch die Jugendfeuerwehr, der Sportverein, die Leitung einer Theatergruppe oder die Planung von Veranstaltungen gehörten für die Jugendlichen dazu. Weitere Möglichkeiten waren Demonstrationen und CSD, politische Planspiele, Bürgersprechstunden, Gespräche mit Politiker:innen oder der direkte Austausch mit der Schulleitung.
Die Sammlung machte deutlich: Beteiligung findet an vielen Orten statt. Manchmal bedeutet sie, in einem Gremium Interessen zu vertreten. Manchmal heißt sie aber auch, Verantwortung in einer Gruppe zu übernehmen, eine Veranstaltung mitzuplanen oder mit einer eigenen Idee loszugehen.
„Ich beteilige mich, wenn …“
Im nächsten Schritt wurde genauer hingeschaut: Was muss eigentlich passieren, damit junge Menschen Lust haben, sich einzubringen?
Die Jugendlichen nannten Spaß, Zusammenhalt und die Möglichkeit, gemeinsam mit Freund:innen aktiv zu werden. Sie möchten wissen, was geplant ist, ausreichend Informationen bekommen, Projekte umsetzen und am Ende auch sehen können, was aus ihrem Engagement geworden ist. Ebenso wichtig waren Austausch auf Augenhöhe und tatsächliche Möglichkeiten zur Mitentscheidung. Themen rund um Politik und die eigene Zukunft wurden ebenfalls als Gründe genannt, sich einzubringen.
Eine Rolle spielte dabei auch die Zeit. Mehr Zeit für Engagement neben der Schule, Freistellungen und die Anerkennung durch Erwachsene – besonders durch Lehrkräfte – wurden von den Jugendlichen ausdrücklich angesprochen. Engagement muss schließlich irgendwo in einen ohnehin vollen Alltag passen.
Genauso klar waren die Antworten auf die Frage, wann Beteiligung nicht funktioniert. Kein Mitspracherecht, nicht gehört zu werden oder wenn die eigene Meinung ins Lächerliche gezogen wird, waren deutliche Grenzen. Frustrierend ist auch, wenn auf Ideen immer wieder nur ein „Nein, das geht nicht“ folgt. Kosten, Langeweile, fehlende Aktivitäten oder Beteiligung gegen den eigenen Willen wurden ebenfalls genannt.
Klare Grenzen zogen die Jugendlichen auch dort, wo etwas anderen Menschen schadet, gegen Rechte oder Gesetze verstößt oder in eine extremistische beziehungsweise rechtsextreme Richtung geht.
Und was soll sich verändern?
Zum Abschluss ging es um die eigenen Ideen. Was würden die Jugendlichen gern verändern, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten?
Auf den Karten landeten mehr politische Bildung in der Schule, mehr Barrierefreiheit und der Wunsch, dass jungen Menschen mehr zugehört wird. Auch die Einschätzung beim Übergang von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wollten Jugendliche verändern.
Und dann gab es noch einen ziemlich eindeutigen Wunsch: drei Tage Wochenende.
Die Ergebnisse zeigen vor allem, dass junge Menschen sehr konkrete Vorstellungen davon haben, was sie verändern möchten – und auch davon, wie Beteiligung aussehen muss, damit sie sich darauf einlassen. Gehört zu werden ist dabei nur ein Teil. Es braucht echte Möglichkeiten mitzureden, verständliche Informationen, Zeit, einen respektvollen Umgang und die Erfahrung, dass aus dem eigenen Engagement tatsächlich etwas entstehen kann.
